Weihnachten 2018

Soso, Weihnachten also. Heiligabend. Mal wieder. Ist ja jedes Jahr früher. Wer hätte denn an Ostern gedacht, dass im Dezember… ach, lassen wir das!

Lassen wir auch das Gemecker über Wetter, Weltgeschehen und Geschenkestress, lassen wir die Klischees: Nein, nicht in jeder Familie gibt es Theater. Nicht alle Eltern sind unfähig, das Handy angemessen zu bedienen. Nicht jeder frisst, bis er kotzt, nicht jeder bekommt ’ne Krawatte und Socken, nicht jede Mutter fragt, wann die Tochter endlich ein Kind kriegt, nicht jeder hat den Jesus vergessen, nicht jeder denkt nur an den Konsum, nicht jeder freut sich auf „Der kleine Lord“ und „Sissi“, nicht jeder schimpft auf „Der kleine Lord“ und „Sissi“, nicht jedem hängt „Last Christmas“ zum Hals raus, nicht jeder ist nur an Weihnachten nett, nicht jeder ist ein Idiot, nicht jeder ist froh, wenn die Feiertage endlich vorbei und wieder Ruhe und Alltag eingekehrt sind.

Jedes Jahr verschicke ich handgeschriebene Weihnachtskarten: Ich suche aus meinem Handyspeicher übers Jahr gesammelte Bilder, drucke diese aus, klebe sie auf Pappe, setze mich mit Füller, Brille und Zeit an den Schreibtisch und verfasse ein paar persönliche Zeilen an ein paar derjenigen Menschen, die ich mag und deren Adresse ich habe. Das mach ich gerne, und auf die Frage, was das denn solle, wo mir doch auch kaum jemand schreibe, antworte ich, dass ich weiß, dass der Kartenempfänger oder die Kartenempfängerin sich freut. Einfach so mach ich das. Nicht weil mich das zu einem besseren Menschen machen würde. Nicht weil ich mir dann einbilde, den ganzen Scheiß vergessen machen zu können, den ich das Jahr über meinen Mitmenschen antue. Nicht weil ich mir etwas davon verspreche. Einfach so mach ich das. Weil ich’s kann.

In diesem Jahr habe ich doppelt soviele Weihnachtskarten bekommen wie im letzten Jahr. Und ich hab mich richtig gefreut. Über alle beide.

Es sind die kleinen Dinge. Es ist eine unerwartete Karte im Briefkasten. Es ist ein grundloser Gruß. Es ist ein Lächeln.

Ich wünsche euch allen ein frohes Fest. Heute und morgen und alle Tage. Vergesst nicht zu singen. Vergesst nicht zu tanzen. Hört laut Musik. Und sagt einander mal wieder, dass ihr euch lieb habt und dass ihr insgesamt die meiste Zeit doch irgendwie zumindest halbwegs ganz zufrieden seid mit dem, was wir aneinander haben.

Rock’n’Roll und pax nobiscum,
Björnbär